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Von Karl dem Großen bis zu den Katzenelnbogenern

Mit dem Frankenkönig Karl, in der Geschichte Karl der Große genannt (768 – 814), dem Gründer des ersten deutschen Einheitsreiches und als Kaiser Beherrscher fast des ganzen Abendlandes, begann für Deutschland ein neuer Zeitabschnitt. Seine Gestalt ist in unserer heutigen Zeit umstritten. Man erkennt seine überragende geschichtliche Bedeutung an, übersieht aber nicht den Makel, der seinem Namen ewig anhaftet: die gewaltsame Bekehrung der Sachsen zum Christentum mittels Feuer und Schwert, die ihm den Beinamen “Der Sachsenschlächter“ eingebracht hat.
Wir vom Rhein beklagen dies am meisten, denn wir haben ihm viel zu verdanken. Er hat das Rheinland zum Mittelpunkt seines Weltreiches gemacht, er hat hier seine Hoflager aufgeschlagen, während seine Vorgänger in Frankreich wohnten, er hat dem deutschen Rhein seine ganze Liebe zugewandt und ihn zu dem großen Kulturreflektor geschaffen, der seine Strahlen über ganz Europa ausschüttete. Und eine große Gestalt muß er schon gewesen sein, sonst würde sein Name nicht noch heute nach tausend Jahren in unzähligen Sagen und Legenden im Munde des rheinischen Volkes fortleben. Die Franzosen mögen ihn als “Charlemagne“ ruhig für sich beanspruchen. Wir wissen, seine Sprache und seine Staatsgrundlage waren deutsch. Er war deutscher Kaiser. Wenn wir uns hierbei unter Beiseitlassung der großen weltgeschichtlichen Begebenheiten auf die Geschicke unserer engeren Heimat beschränken, so verdient zunächst die großzügige organisatorische Maßnahme erwähnt zu werden, die Karl zur ordnungsmäßigen Verwaltung des Landes treffen ließ: er ließ das Gebiet des heutigen nassauischen Landes in acht Gaue einteilen, die von sogenannten Gaugrafen als königliche Stellvertreter verwaltet wurden. Nur die Kirchen- und Klostergüter blieben, wie bisher, sogenannten Vögten unterstellt, die mit der weltlichen Gerichtsbarkeit beliehen waren.
St. Goarshausen gehörte zu dem Einrichgau, auch kurz der Einrich genannt, der zuerst 773 genannt wird. Dieser Gau, zu dem der größte Teil des heutigen
Loreley-Kreises zählte, umfaßte etwa das Gebiet zwischen Rhein, Lahn, Aar und Wisper, ging aber teilweise über diese Grenze hinaus und setzte sich aus einer Unmenge kleiner weltlicher und geistlicher Grundherrschaften zusammen.
Die ersten bekannten erblichen Gaugrafen im Einrich (um 1067) waren die Grafen von Arnstein, ein angesehenes, reich begütertes Rittergeschlecht an der Lahn. Aber auch die Abtei Prüm in der Eifel besaß seit 790 im Einrich und in der Umgebung bedeutende Güter, die ihr von den karolingischen Herrschern geschenkt worden waren. Zu diesen Gütern gehörte auch das Stiftskloster in St. Goar mit seinen vielen Nebenbesitzungen und Nutzrechten.
In diese so vielfach zersplitterten dynastischen Verhältnisse spielt nun die Entstehungsgeschichte der Niedergrafschaft Katzenelnbogen hinein und mit ihr die Geschichte unserer engeren Heimat. Wir wollen hierbei von den allzu verwirrenden historischen Einzelheiten mit ihrer unendlichen Folge von Verhandlungen, Vererbungen, Vermächtnissen usw. absehen und nur den großen Faden im Auge behalten.

Die Nachfolger der Grafen von Arnstein waren die Grafen von Katzenelnbogen, ein uraltes, in den nassauischen Landen begütertes Geschlecht, das sich aus Vögten der Abtei Prüm mit Kraft und politischer Geschicklichkeit zu selbstständigen Herren entwickelte und mit der Zeit eine bedeutsame Rolle in der deutschen Geschichte spielte. Ihre Stammburg war die Feste Alt-Katzenelnbogen, die sie über dem Flecken gleichen Namens um das Jahr 1100 erbauten.
Die sprachkundliche Deutung des seltsamen Namens “Katzenelnbogen“ ist schon oft versucht worden, aber niemals in genügender Form. Ob er, wie manche meinen, auf die lateinische Wortform “Gatti Melibocus“ (Chatten des Milibocus) zurückzuführen ist, darf bezweifelt werden, denn es ist nicht recht ersichtlich, was den Odenwaldberg mit der Burg im Einrich verbände. Das einzige Wahrscheinliche ist, daß der Name mit den Urbewohnern, den Chatten, zusammenhängt und seine Wurzel in deren Sprachform hat, also vielleicht mit “Chatten,“ die den Bogen führten“ zu denken ist.
Die Katzenelnbogener galten als die besten Burgenbauer ihrer Zeit, als welche wir sie später auch bei der Geschichte von Rheinfels und Katz wieder finden werden. Sie waren zugleich eines der wenigen Herrschergeschlechter, die schon früh zeitig die Erstgeburts-Erbfolge einführten, also die Bestimmung, daß im Ablebensfalle ihr Landbesitz nicht geteilt werde, es damit vor der Zersplitterung schützend, die das politische Verhängnis Deutschlands wurde.
Diese für die damalige Zeit außerordentliche politische Klugheit sicherte dem Geschlecht die einheitliche Macht und zugleich durch sparsame Verwaltung die Möglichkeit, zu wirtschaftlichem Reichtum zu gelangen, so daß sie sozusagen die “Bankiers“ von Königen, Kurfürsten und kleineren Machthabern wurden, die, wenn sie in Geldverlegenheit waren, ihr Nächstes darin sahen, die Katzenelnbogener Grafen anzupumpen und ihnen dafür Gegengefälllgkeiten zu erweisen. Daß diese die Gelegenheiten benutzten, verpfändete Ländereien einzuheimsen und ihr Gebiet durch Tausch und Kauf immer mehr abzurunden, darf man ihnen nicht als „Geschaftelhuberei“ anrechnen, denn in jener immer wilder und zuchtloser werdenden Zeit war nur der Starke lebensfähig.
Das eigentliche Geburtsjahr der Katzenelnbogener Grafschaft war das Jahr 1190, also die Zeit des großen Staufenkaisers Friedrich Barbarossa. In jenem Jahr übertrug die Abtei Prüm den Grafen die Schirmherrschaft über St. Goar und Kloster als erbliches Lehen, wozu nach und nach auch die rechtsrheinischen Besitzungen der reichen Abtei kamen, bis ums Jahr 1251 die Stadt St. Goar selber territorialer Besitz der Grafen wurde, die ihre Rechte in der Folge gegen die Prümer Abtei tapfer verteidigten.
Aber noch fehlte ihnen das gegenüberliegende Ufer. Der Flecken St. Goarshausen erschien ihnen, der Überfahrt und des Rheinzolls wegen, als ein wichtiger Punkt. Ort und Hinterland aber befanden sich nach dem Aussterben der Arnsteiner Grafen als trierisches Lehen im Besitz der Herren von Isenburg, waren für die Katzenelnbogener daher noch “Ausland“. Da kam ihnen Ihre geschickte Hauspolitik zu Hilfe. Im Jahre 1284 heiratete die junge Isenburgerin Irmingard den Grafen Wilhelm I. von Katzenelnbogen, dem sie als Mitgift die Ortschaften St. Goarshausen, Bornich, Patersberg, sowie Offenthal und die Hälfte von Werlau mitbrachte. St. Goarshausen war von nun an katzenelnbogisch und erhielt damit zum erstenmal eine feste politische Grundlage, die Ort und Bevölkerung vor dem üblichen Verschachern schützte. Es ging den St. Goarshausenern nicht mehr wie anderen deutschen Ortsbürgern, die sich abends unter irgend einem Grafen Engelbert schlafen legten und am nächsten Morgen unter einem Wolfdietrich erwachten. Das Ballspiel hatte hier auf Jahrhunderte hin ein Ende, bis es in der Napoleonzeit wieder in Schwung kam.
Für die Katzenelnbogener war diese Erbschaft eine willkommene und wichtige Abrundung ihres Besitzes. Inzwischen hatten sie auch am Oberrhein (im Hessischen) Fuß gefaßt, so daß sie bereits zu Anfang des 14. Jahrhunderts Herren der Nieder- und Obergrafschaft Katzenelnbogen waren. Aus letzterer entwickelte sich später die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, während die Niedergrafschaft Katzenelnbogen – sie bestand ursprünglich aus den Ämtern Rheinfels, Reichenberg,
Braubach und Hohenstein- später im Herzogtum Nassau aufging, mit Ausnahme von St. Goar, das preußisch wurde. Zum Amte Rheinfels gehörte in alter Zeit, außer der Stadt St. Goar mit Biebernheim, Werlau und der Vogtei Pfalzfeld, der Flecken St. Goarshausen mit den Dörfern Patersberg und Bornich.
Wo in unseren geschichtlichen Ausführungen für die Folge von der “Niedergrafschaft Katzenelnbogen“ die Rede ist, handelt es sich also um unsere engere Heimat.

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Die hier vorgestellten Ansichten entsprechen weder denen der Urheber dieser Internetseite noch möglicherweise dem modernen Stand der Geschichtsforschung.

Wir verweisen auf das einleitende Kapitel zur Erläuterung.