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Das alte Rathaus

Dieses ehrwürdige Haus, das Herz des alten Städtchens, stammt aus dem Jahre 1532, also aus dem Anfang der Reformationszeit, ist somit heute über 400 Jahre alt. Es war in seiner ursprünglichen Gestalt ein langgestreckter, zweistöckiger und verhältnismäßig stattlicher Bau, der dem Gesicht des Städtchens durchaus entsprach. In seinem Erdgeschoß enthielt das Gebäude die Wachtstube und den Abstellraum für die Feuerspritze, sowie einen Lagerraum für das an die Armen zu verteilende Holz.

Im oberen Geschoss befand sich die Schultheißerei mit Rathaussaal, ferner die Schulzimmer und die Lehrerwohnung, zu welcher auch ein Teil des geräumigen Dachgeschosses gehörte. Der Aufgang zur Schule war rechter Hand bei der Schiefertreppe, die zu der alten Kirche hinaufführte. (siehe Kapitel “Schulwesen“!)

Es hat viel erlebt, das ehrwürdige Rathaus, in den 300 Jahren, da die alten St. Goarshäuser Schultheiße darin ihres Amtes walteten. Nicht nur die sturmvollen Jahre der Reformation sind an ihm vorübergezogen, es hat auch die furchtbare Zeit des Dreißigjährigen Krieges mit all seinem Elend gesehen. Und kaum hatten die verängstigten Bürger sich etwas erholt, so kamen die unheilvollen französischen Belagerungen von 1692 und 1794, die Revolutionsjahre und die Napoleonszeit, wo alles drunter und drüber ging und das Schicksal des Städtchens mehr als einmal auf dem Spiele stand, bis endlich im Dezember 1813 der befreinde Tag kam, da die ersten preußischen Reiter vor dem Rathaus erschienen, um die Schiffer anzuwerben zur Mithilfe bei dem Blücherschen Rheinübergang zu Kaub. (Siehe Kapitel Blüchers Rheinübergang zu Kaub!)

In all diesen Jahren waren die alten Rathausräume Zeugen mancher bewegten Sitzung. So viel wissen wir: die Männer, die damals die Geschicke der Stadt lenkten, waren schollenfeste, heimattreue Bürger, die, wenn es sein musste, auch mit den fremden Gewalthabern ein Wörtlein zu reden wußten.

Mit der fortschreitenden Zeit aber und den wachsenden Ratsgeschäften wurde das alte Haus zu eng. Ein Neubau wäre zu kostspielig gewesen. Als daher im Jahre 1845 das neue Schulgebäude in der Mittelstadt errichtet wurde, entschloß man sich, die Schultheißerei nach dort zu verlegen. Sie blieb dort bis zur Errichtung des Kreishauses, wo sie sich vorübergehend einrichtete, bis die Gemeinde schließlich das Lotichius’sche Anwesen erwarb und daraus das heutige stattliche Rathaus schuf, das zugleich die Bürgermeisterwohnung enthält.

Das alte Rathaus wurde nach der Übersiedlung der Schultheißerei 1847 veräußert und ging in den Besitz der Bürger Strack, Rössler und Peter Köhler über, die nach entsprechenden Umbauten drei Wohnhäuser daraus entstehen ließen, die unter den Nummern Große Burgstraße 41, 42 und 43 heute noch bestehen.

Eine Absonderlichkeit verdient noch erwähnt zu werden, die das alte Rhaus aufwies. Es trug eine über dem ehemaligen Torbogen angebrachte und noch erhaltene längliche Steintafel, darin eine hebräische und griechische Inschrift nebst der Jahreszahl 1532 in spätmittelalterlichen Ziffern eingemeißelt sind. Diese rätselhafte Tafel bildete eine weithin bekannt St. Goarshäuser Merkwürdigkeit, die lange Zeit niemand zu deuten wußte, bis es endlich einem gelehrten Haus gelang, die geheimnisvolle Inschrift zu entziffern. Danach drücken die Schriftzeichen nichts anderes aus als die in hebräischen und griechischen Buchstaben wiedergegebene Jahreszahl 1532. Denn ähnlich wie bei der römischen Schrift bedeutet hier jeder Buchstabe ein Zahlzeichen, nur daß die hebräische Schrift von rechts nach links gelesen werden muß. Das Ganze bildet somit eine dreimalige Wiederholung der Zahl 1532, also des Gründungsjahres des Hauses. Wer der “geistreiche“ Urheber dieser absonderlichen Tafel war, ist nicht zu ermitteln. Es ist anzunehmen, daß ein Theologe oder Lehrer oder gar der Steinmetz selber es war, der mit seiner Gelehrsamkeit prunken wollte. Die Tafel war bis vor wenigen Jahren übermalt und ist nun wieder freigelegt.

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Die hier vorgestellten Ansichten entsprechen weder denen der Urheber dieser Internetseite noch möglicherweise dem modernen Stand der Geschichtsforschung.

Wir verweisen auf das einleitende Kapitel zur Erläuterung.